Bauvorhaben der Familie E. aus München



Horizontaler Elektroschlitz in tragender Wand
Verschoben Ziegel in der Giebelwand
Giebel ohne Ringbalken

Bauherrenberaterin: Dipl.-Ing. Renate Schulz, München

Die junge Familie E. plant den Bau eines Hauses. Das Budget ist knapp, daher suchen sie lange nach einem Anbieter, der das gewünschte zu einem Preis anbietet, der für sie in Frage kommt.

Mit den Vertragsunterlagen dieses Anbieters kommen sie zur Bauherrenberaterin Renate Schulz. Nach Durchsicht der Unterlagen stellt die Beraterin fest, dass der angebotene Preis für die Münchener Region sehr knapp kalkuliert ist. Die Firma sitzt nicht in Bayern, möchte sich aber offensichtlich auf dem bayerischen Markt etablieren.

Frau Schulz weist die Bauherren darauf hin, dass diese knappe Preiskalkulation auch mit Risiken verbunden ist. Sehr oft kommen die Firmen von weit angereist, die Bauleitung ist wenig vor Ort. Eine sorgfältige Überwachung der Ausführung ist daher unerlässlich.
Es wird zur Sicherheit noch eine Firmenauskunft eingeholt. Nachdem diese positiv ausfällt, entschließen sich die Bauherren das Projekt mit der Firma in Angriff zu nehmen.

Die ersten Schwierigkeiten treten schon in der Planungsphase auf. Zeitliche Verzögerungen und Unstimmigkeiten bei dem was vertraglich vereinbart war. Die Bauherren kümmern sich sehr intensiv um alle Belange.

Endlich wird mit erheblicher Verspätung der Bau begonnen. Da die Bauherren ganz in der Nähe wohnen, sind sie täglich vor Ort. In der Beratung wurden sie auf die wesentlichen Punkte, die beim Bau zu beachten sind, hingewiesen, damit sie die Bauherrenberaterin gegebenenfalls schnell informieren können. Sie erfüllen diese Aufgabe vorbildlich.

Als erstes entdeckt der Bauherr, dass die gelieferte Abdichtungsbahn für den Keller nicht den Anforderungen der angebotenen Bahn entspricht. Die Bahn ist schon teilweise aufgebracht worden. Der Mangel wird beim Generalunternehmer angezeigt. Der GU reagiert, lässt untersuchen, ob die richtige Bahn ggf. auf die bereits angebrachte geklebt werden kann. Es stellt sich heraus, dass dies nicht möglich ist. Also muss die alte Bahn entfernt werden. Das alles kostet Zeit! Und der Winter steht vor der Tür.

Der Plan, das Haus vor dem Winter "dicht" zu bekommen, scheitert. Es muss nun über den Winter mit witterungsbedingten Verzögerungen weitergebaut werden. Im März ist es endlich so weit, das Dach ist dicht, die Fenster sind eingebaut, die Rohinstallation ist erfolgt, der Innenputz kann kommen.

Wie mit den Bauherren vereinbart, wird zu diesem wichtigen Abschnitt des Baus eine gemeinsame Begehung durcgeführt, bei der unter anderem feststellt wird:
Die Elektroinstallation ist sehr sorgfältig in Leerrohren verlegt. Nicht beachtet wurde aber, dass dabei die tragenden Wände in unzulässigem Ausmaß geschlitzt und geschwächt wurden.
Bei der Begehung zum Dachraum angekommen, erklärt die Bauherrin, dass sich die Ziegel am Giebel immer wieder verschieben und dass dies auch von der Baufirma schon nachgearbeitet wurde. Zunächst kann sich die Beraterin unter einer "Verschiebung" der Ziegel nichts vorstellen. Im Dach angekommen, bietet sich das Bild einer Wand, wie sie es bisher noch nicht gesehen hat. Ganze Ziegelreihen sind aus der Flucht der Wand verschoben. Die Bauherrenberaterin stellt fest, dass die Giebelwände ohne Ringbalken ausgeführt sind. Vor außen betrachtet, kann man beobachten, dass die gesamte Giebelwand im Wind schwankt. Ein Blick in die Pläne zeigt, dass der Ringbalken eingezeichnet ist - aber nicht ausgeführt wurde.

Aufgrund dieser gravierenden Mängel wird der zuständige Bauleiter sofort telefonisch informiert. Die Innenputzarbeiten müssen verschoben werden, bzw. können in den betroffenen Räumen nicht ausgeführt werden.

Der Bauleiter reagiert erfreulicherweise sehr schnell und leitet die notwendigen Maßnahmen ein.

Die Bauherren sind erst einmal froh, dass die Mängel noch rechtzeitig erkannt wurden und sich vollständig beheben lassen. Aber das Vertrauen in die ausführenden Firmen hat mal wieder einen "Knacks" bekommen - man wird in Zukunft noch achtsamer sein müssen!