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Feuchteschäden können teuer werden

Dipl.-Ing. Daniel Rossler, Bauherrenberater des BSB, Region Stuttgart

Dipl.-Ing. Daniel Rossler, Bauherrenberater des BSB, Region Stuttgart

Fehlerhafte Abdichtungen bei der Gründung des Hauses lassen sich vermeiden
Die klimatischen Entwicklungen mit häufigem Starkregen und Veränderungen des Grundwasserspiegels stellen höhere Anforderungen an die Abdichtung von Bauwerken. Feuchteschäden an Bauteilen im Erdreich sind laut einer Studie des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) keine Seltenheit. Eine neue DIN-Norm trägt den Anforderungen und gestiegenen technischen Standards Rechnung.

Die Gebäudehülle ist wie eine zweite Haut für das Haus und seine Bewohner. Sie schützt vor der Witterung, schafft angenehme Wohnverhältnisse und hält Schaden vom Bauwerk ab. Ein wesentlicher Faktor ist eine Abdichtung der Gebäudehülle, die Wasser- oder Feuchteeintritt dauerhaft verhindert. Fachgerechte Abdichtungen sind an vielen Stellen des Gebäudes erforderlich. Besonders kritisch sind sie jedoch im Erdreich, wie unter anderem eine Studie des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) und des Institut für Bauforschung e.V. (IFB) zeigt.

Fehlerhafte Abdichtungen im Boden ziehen hohe Kosten nach sich
Schäden an erdberührten Bauteilen sind nach Feststellung der BSB-Studie „Feuchteschäden durch fehlerhafte Bauwerksabdichtungen“ die häufigsten Bauteilschäden, die im Neubau auftreten. Über 60 Prozent davon gehen auf Feuchteprobleme zurück. Ursachen sieht die Studie sowohl durch Planungsfehler im Vorfeld als auch in Mängeln bei der Bauausführung sowie in der Kombination der beiden Ursachen. Die Schadensbeseitigung kann teuer werden. Laut Studie bewegten sich die Kosten dafür bei den untersuchten Fällen um durchschnittlich 10.300 Euro, in Einzelfällen lagen sie bei deutlich über 100.000 Euro.

Ohne Baugrundgutachten gibt es keine verlässliche Planung
Die Probleme können bereits mit einem fehlenden Bodengutachten beginnen. Denn die Grundlage für die Bemessung einer geeigneten Bauwerksabdichtung sollte ein bauplatzbezogenes und aussagekräftiges geologisches Gutachten bilden. Zu berücksichtigen sind neben Oberflächenwasser, das durch spezielle Geländeverhältnisse auf das Haus einwirken kann, auch der Grundwasserspiegel sowie unter Umständen Hochwasser. Ein Boden mit schlechter Versickerungsfähigkeit kann zum Problem werden, wenn einer lang anhaltenden Bodendurchnässung nicht durch Bauwerksdrainage oder erhöhte Abdichtungsmaßnahmen Rechnung getragen wird. Ebenfalls zu beachten sind die jahreszeitlichen Schwankungen der Wasserspiegel sowie Entwicklungen über die prognostizierte Nutzungsdauer des Hauses, also eine Vorausschau der möglichen Veränderungen über die nächsten Jahrzehnte hinweg.

Abdichtung muss zum Boden passen und normgerecht ausgeführt sein
Die Abdichtung verhindert die Durchfeuchtung des erdanliegenden Bauteils, zum Beispiel durch kapillaren Transport oder Wassereintritt durch kleinste Risse und Fugen. Je nach Bauweise und Anforderung können unterschiedliche Abdichtungstechniken sinnvoll sein. In Frage kommen bahnenförmige Klebungen und aufgespritzte oder gespachtelte bituminöse Beschichtungen sowie flüssige Beschichtungen. Auch eine Ausführung als wasserundurchlässiges Betonbauwerk, zum Beispiel als „weiße Wanne“ ist möglich. Bei allen Abdichtungsverfahren ist darauf zu achten, dass sie als erprobtes System nach den Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller eingesetzt werden und den allgemein anerkannten technischen Regeln entsprechen. Ausschlaggebend dafür sind DIN- Regelwerke oder die Richtlinie für wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton.

Neue Norm berücksichtigt aktuelle Entwicklungen
Die aus dem Jahr 2011 stammende Normenreihe DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ wurde überarbeitet und in einzelne, bauteilbezogene Normenreihen mit eigenständigen Nummern aufgeteilt. Es wurden neue Abdichtungstechniken berücksichtigt, die in den Vorgängerdokumenten noch nicht zu finden waren. Für die Abdichtung der erdberührten Bauteile gilt seit Juli 2017 die gleichnamige DIN 18533.

Bauherren stellen erhöhte Anforderungen an den „Wohnraum Keller“
In der alten Norm musste zur Planung der Abdichtung lediglich der auf das Bauwerk einwirkende Wasser- oder Feuchtelastfall bestimmt werden. Künftig gibt es eine bauteilbezogene Erweiterung und es muss differenzierter nach Wassereinwirkungsklassen, Rissklassen sowie Raumnutzungsklassen gefragt werden. Dass die Raumnutzungsklasse des abzudichtenden Bauteils zu bestimmen ist, deutet bereits auf einen Wandel in der Nutzung von Kellerräumen hin. Die Norm trägt der Entwicklung Rechnung, dass der Keller in vielen Wohnhäusern nicht mehr nur als reiner Nutzraum dienen soll, sondern erhöhten Anforderungen bis zur Eignung als vollwertiger Wohnraum genügen muss. Die Norm unterscheidet daher künftig Raumnutzungen mit geringen, durchschnittlichen und hohen Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft in erdseitig abgedichteten Räumen. Raumseitig muss das Bauteil trocken bleiben oder die Oberflächenfeuchte darf sich je nach Raumnutzung nur innerhalb bestimmter Grenzen bewegen. Das gewünschte Raumklima wird wesentlich durch einen regelgerechten Wärmeschutz sowie die Beheizung, Belüftung oder, wenn nötig, Entfeuchtung beeinflusst. Hausbesitzer müssen auch künftig beachten, dass diese Einflussfaktoren an die Nutzung des Raums angepasst sind.

Unabhängige Baubegleitung gibt mehr Sicherheit
Baugrundgutachten und die Planungsunterlagen zur Gründung und Abdichtung eines Hauses richtig zu lesen, ist für Bauherren ohne fachliche Vorbildung schwer. Im Rahmen einer baubegleitenden Qualitätskontrolle können sie einen unabhängigen Sachverständigen, zum Beispiel einen Bauherrenberater des BSB, zu Rate ziehen. Er kann überprüfen, ob das Baugrundgutachten und die geplanten Abdichtungsmaßnahmen zusammenpassen und kontrollieren, dass bei der Ausführung der Abdichtungsarbeiten keine Mängel und Fehler unentdeckt bleiben.

Weitere Informationen unter: www.bsb-ev.de