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Smart Home – Wohnkomfort und Sicherheit

Dipl.-Ing. Jörg Nowitzki, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V., Region Leipzig

Dipl.-Ing. Jörg Nowitzki, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V., Region Leipzig

Viele Handynutzer kennen eine Steuerungs-App, die mit netter Frauenstimme auf Fragen reagiert, eine Telefonnummer ohne Tippen automatisch recherchiert und anruft. Geht so etwas auch in einem Haus, etwa mit der Heizung? Ja! Sagen Sie einfach: „Mir ist`s im Wohnzimmer zu warm.“ Und schon regelt die moderne Smart Home-Steuerung die Temperatur herunter. Lassen Sie aus dem Urlaub per Smartphone Rollläden hochfahren. Oder kontrollieren Sie mit einer Videokamera, ob die Post den Briefkasten zum Überlaufen bringt. Das alles ist keine Science-Fiction mehr. Seit einiger Zeit lassen sich derartige Anwendungen in einem „intelligenten Haus“, dem Smart Home, problemlos steuern.

Was verbirgt sich hinter „Smart Home“
Als „Smart Home“ bezeichnet man Häuser oder Wohnräume, in denen sowohl die elektrische Anlage mit Haushaltsgeräten als auch mit der Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlage sowie entsprechenden Bedienelementen vernetzt und für bestimmte Aufgaben programmierbar sind. Auch lassen sich der Fernseher, die Musikanlage oder die Alarmanlage in das Netz integrieren. Das „intelligente Haus“ kann also denken? - Ja, aber nur so weit, wie es der Nutzer erlaubt und vorkonfiguriert. Der Alltag soll erleichtert werden, indem bestimmte technische Routineabläufe im Haus bedarfsgerecht gesteuert werden. Und nicht zuletzt hilft die Technik Energie zu sparen.

Anwendungsgebiete des Smart Home
Die Anwendungsgebiete für Smart Home sind vielfältig. So können Sie aus der Ferne überprüfen, ob der Herd noch in Betrieb ist oder ob die Rollläden zum Schutz vor der Sonne und Langfinger herunter gelassen wurden. Sie könnten sich vom Skiurlaub aus vergewissern, dass die Heizung im Urlaubsmodus läuft und somit Heizkosten spart und die Raumtemperatur zum Zeitpunkt Ihrer Rückkehr vorgeben. Das Smart Home könnte selbständig vor einem herannahenden Gewitter überprüfen, ob die Dachfenster geschlossen und die Markise eingefahren wurde und dies bei Bedarf gleich übernehmen. Theoretisch wäre es sogar möglich, sich vom Kühlschrank mitteilen zu lassen, wie viele Eier noch vorhanden sind. Auch wenn nicht alles jedem sinnvoll erscheint, sind die Möglichkeiten schon heute vielfältig – und sie werden weiter zunehmen.

Energieeinsparen durch intelligente Technik
Ein sinnvolles und schon recht weit entwickeltes Anwendungsgebiet ist der Bereich der Energieeinsparung. Dies kann zum Beispiel durch das bedarfsgerechte Zu- oder Abschalten von Verbrauchern, also unterschiedlichen Geräten im oder am Haus, geschehen. Bei Gebäuden mit einer Photovoltaikanlage starten beispielweise die Spül- und Waschmaschine automatisch, wenn die Solaranlage gerade viel Strom produziert und der Strom nicht anderweitig im Haus benötigt wird. Darüber hinaus helfen intelligente Heizungsregler, Messsysteme und Lüftungsanlagen, die Wärmebereitstellung und die benötigte Zuluft möglichst energiesparend zu regulieren.

Mehr Sicherheit
Ein weiterer Anwendungsbereich des Smart Home ist die Sicherheitstechnik. Sie hat in den letzten Jahren nicht zuletzt durch steigende Einbruchzahlen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Technik bietet von Anwesenheitssimulationen durch automatische Licht- und Rollladensteuerung, über Kamerasysteme, Tür- und Fensterkontakte sowie Glasbruchsensoren bis hin zu Notrufsystemen mit Alarmweiterleitung ein breites Spektrum. Auch Brandschutzschalter und Rauchwarnmelder sind meist Teil eines intelligenten Sicherheitssystems.

Was wird wirklich benötigt
Nicht alle Möglichkeiten sind für jedermann wirklich sinnvoll. Zuerst sollten Sie ihre individuellen Bedürfnisse ermitteln und diese mit den Möglichkeiten des vorhandenen oder neu zu errichtenden Gebäudes in Übereinstimmung bringen. Auch ist an dieser Stelle das verfügbare Budget zu berücksichtigen, denn umfangreiche Anlagen erfordern nicht selten mittlere fünfstellige Eurobeträge. Wenn Sie sich nicht gleich alle Wünsche erfüllen wollen, können bei der Planung eines Neubaus oder einer umfassenden Modernisierungsmaßnahme zusätzliche Elektrosteuerungsleitungen oder Leerrohre vorgesehen werden. So können Sie Ihr Haus auch noch in fünf Jahren weiter aufrüsten. In jedem Fall ist zu empfehlen, sich schon in der Planungsphase einen Fachmann für Haustechnik an die Seite zu holen. Er unterstützt auch bei der Auswahl von Komponenten unterschiedlicher Hersteller, damit diese zuverlässig zusammenwirken können und eine spätere Erweiterung der Anlage gewährleistet ist.

Datensicherheit in den eigenen vier Wänden
Bei allen Anwendungen sollen Sie sich immer auch die Frage stellen, wie Sie Ihre Daten gegen fremden Zugriff sichern können. Die Frage ist wichtig, denn Ihre Verbrauchsdaten können Rückschlüsse auf An- und Abwesenheiten oder Nutzungsverhalten bieten. Dazu ist wiederum eine sorgfältige Planung und Vorinformation unerlässlich, damit ein umfassender Systemschutz gegen fremde Zugriffe gewährleistet ist. Dazu gehört immer auch die Sicherung des datentechnischen Zugangs, der Schnittstellen, mittels Verschlüsselung und Authentifizierung. Da sich viele Systeme auch über eine Smartphone-App überwachen und steuern lassen, sollten Sie hier, ebenso wie bei allen anderen Komponenten, auf Anbieter mit zertifizierten Systemen zurückgreifen. Und berücksichtigen Sie: Auch bei nachgelagerten Dienstleistern wie etwa Sicherheits- und Servicediensten sollte der Datenschutz sichergestellt sein.

Weitere Informationen bietet der Bauherren-Schutzbund e.V. unter anderem in seinem Ratgeber „Smart Home – Wohnkomfort und Sicherheit“, der auf www.bsb-ev.de kostenlos heruntergeladen werden kann.