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Unabhängigkeit ist das A und O

Dipl.-Soz.Wiss., M.A. Florian Becker

Dipl.-Soz.Wiss., M.A. Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V.

Was taugen Bauberatungen? Wie seriös sind sie? Was ist das Richtige? Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V., zur Notwendigkeit von Bauberatung und ihren Qualitätskriterien.

Das Traumhaus in wenigen Minuten per Klick kalkuliert, Checklisten zur Baukontrolle zum Ausdrucken, Bauberatung per Telefon – im Internet werden Bauinteressierte zu einer Vielzahl von Angeboten zu Baubegleitung und Beratung fündig. So manches klingt einfach und verlockend. Wie aber ist das Richtige zu finden?

Florian Becker: Bauherren sollten sehr genau hinschauen: Was steckt hinter den Angeboten? Und wer steckt dahinter? Zu den Anbietern für Bauberatung und -begleitung zählen  Verbraucherverbände und -vereine, die sich dem Verbraucherschutz verschrieben haben und ohne eigene wirtschaftliche Interessen agieren. Große Bauunternehmen offerieren selbst Baukontrolle, für die sie oft mit bundesweit agierenden Prüfinstitutionen zusammenarbeiten. Leider tummeln sich auf dem Markt auch fragwürdige Anbieter, die Verbraucherinteressen vortäuschen, eigentlich aber Bauleistungen verkaufen.

Kann ich als privater Bauherr einem Unternehmen vertrauen, das ins Gesamtpaket die eigene Baukontrolle eingebunden hat?

Becker: Jein. Natürlich kann alles relativ problemlos laufen. Zu bedenken ist aber: Sachverständige, die von Hausanbietern mit der Baukontrolle  beauftragt werden, sind denen auch verpflichtet. Sie stehen auf der Unternehmerseite und entscheiden im Zweifelsfall so. Unabhängig sind sie kaum.

Ist Unabhängigkeit für eine erfolgreiche Beratung also nötig?

Becker: Unbedingt. Sie ist das A und O. Schwierigkeiten im Bauprozess anzugehen und Mängel auf der Baustelle aufzudecken, funktioniert vor allem mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Wer kontrolliert, darf nicht mit dem Unternehmen verbunden sein. Für private Bauherren ist unabhängige Beratung ohne Ansehen des Herstellers ein entscheidendes Kriterium.

Wie finde ich einen seriösen Prüfer?

Becker: Er oder sie sollten sachverständig sein. Allerdings ist der Begriff Sachverständiger nicht geschützt. Zu fragen ist also, welche Qualifikationen vorliegen. Ein Hochschulabschluss als Architekt oder Bauingenieur für Hochbau ist die richtige fachliche Basis, Erfahrungen auf der Baustelle sollten hinzukommen, um Bauabläufe richtig einzuschätzen, und der Nachweis einer Sachverständigenausbildung. Vorzugsweise sollte man sich dazu bei Verbraucherverbänden und -vereinen umsehen.

Was an Bauberatung und Begleitung ist sinnvoll?

Becker: Eine komplette unabhängige Baubegleitung zu beauftragen, vermindert das Risiko für private Bauherren beträchtlich. Das Angebot unserer Verbraucherschutzorganisation beispielsweise zur baubegleitenden Qualitätskontrolle sieht vor, in acht bis zwölf Baustellenbesuchen neuralgische  Bauabschnitte zu kontrollieren: Bodenplatte, Keller, Rohbau, Fenster, Abdichtungen… Also Baustufen, bei denen nicht entdeckte Mängel zu gravierenden Folgen führen können. Vieles kann im Nachhinein nicht mehr behoben werden. Besser ist also, Mängel rechtzeitig aufzudecken und ohne großen Aufwand zu beseitigen. Davon profitieren nicht nur Bauherren, sondern auch Firmen. Im Vorfeld sollten private Bauherren ihre Bauverträge technisch und juristisch checken lassen. Auch hier ist manches im Sinne der Unternehmen formuliert und sollte in Vertragsverhandlungen geklärt werden. Beim Bauherren-Schutzbund steht für die Beratung zu Angeboten über die Prüfung des Bau- oder Wohnungskaufvertrags und die Baubegleitung bis zur Abnahme, danach in die Gewährleistungsphase hinein, ein bundesweites Netz von 160 unabhängigen Bausachverständigen und Fachanwälten für Bau- und Architektenrecht bereit. Alle haben sich verpflichtet, im Sinne des Verbraucherschutzes zu handeln.

Mit welchen Kosten ist bei Bauberatung zu rechnen? Vor allem Bauherren, die knapp kalkulieren müssen, werden sich das fragen.

Becker: Natürlich ist eine baubegleitende Qualitätskontrolle nicht umsonst zu haben. Bei einem typischen Einfamilienhaus von 110 Quadratmetern ohne Keller ist mit etwa 3.000 bis 3.500 Euro ohne Fahrtkosten zu rechnen, die bei der Finanzierung gleich mit berücksichtigt werden sollten. Mit Sicherheit verhindert das hohe Folgekosten. Verbraucher müssen natürlich selbst abwägen, was ihnen wichtig ist. Doch bei einer Investition von vielleicht 250.000 Euro sind wenige tausend Euro für eine Kontrolle klug eingesetzt. Die Baubegleitung sorgt dafür, dass man das Haus bekommt, was man bestellt hat. Gerade auch Bauherren, die eng finanzieren müssen, sollten darauf nicht verzichten. Bei späteren Streitigkeiten wegen Mängeln am Bau werden gerichtliche Auseinandersetzungen  schnell sehr teuer. Da hilft keine Rechtsschutzversicherung. Zudem dauern Gerichtsverfahren Jahre, kosten zusätzlich viel Zeit und Kraft.

Geht’s nicht doch auch eine Nummer kleiner?

Becker: Sicher, manche Anbieter offerieren zwei Kontrollen auf der Baustelle und eine bei der Abnahme. Oder gar nur diese. Für mich ist der Nutzen fragwürdig. Ist bei der Abnahme alles fertig, lässt sich nicht mehr einschätzen, was hinter den Wänden oder unterm Estrich steckt. Begutachtet wird dann nur noch Oberflächliches. Folgenschwere Mängel können sich darunter verbergen.  

Wie bereit sind private Bauherren, ihren Bau beratend begleiten zu lassen?

Becker: Das Verbraucherverhalten hat sich entwickelt – von der Nothilfe zur Prävention. Das heißt in unserem Verein u.a., dass private Bauherren zumeist rechtzeitig vor Vertragsabschluss und über den gesamten Bauprozess hinweg Unterstützung suchen. Zwar schwächt die jetzige Marktsituation die Position der Verbraucher etwas ab nach dem Motto: Ich als Bauunternehmen hab das Grundstück, gebaut wird nach meinen Bedingungen. Man sollte diesem Marktdruck jedoch nicht nachgeben. Seriöse Unternehmen gehen auf Kundenwünsche ein. Es ist kein Problem, ein Bauwerk prüfen zu lassen. Denn Verbraucher sind keine Bittsteller, sondern Kunden. Dessen sollte sich jeder Bauwillige gewiss sein.