Werbeprospekte von Hausanbietern – was sie leisten können und was nicht

Wer sich für den Neubau eines Hauses interessiert, der kann in der Flut von Werbematerialien unterschiedlicher Hausanbieter schnell die Übersicht verlieren. Die verschiedenen Hausangebote zu vergleichen und dabei den richtigen Partner zu finden, ist daher gar nicht so einfach.

Die Basis: Klarheit über die eigenen Wünsche, Vorstellungen und Ziele
Die Werbeprospekte unterschiedlicher Anbieter können durchaus Anregungen liefern, wenn man sich am Anfang einer Eigenheimplanung befindet. Doch oft wächst mit der Anzahl von Prospekten, die sich zum Beispiel nach dem Besuch einer Eigenheimmesse oder eines Musterhausparks zu Hause stapeln, eher die Unsicherheit, welches Haus man eigentlich bauen möchte. Zunächst sollte man daher „Familienrat“ halten und sich selbst konkrete Vorstellungen für die eigenen vier Wände erarbeiten. Wer und wie viele Personen sollen in das neue Haus einziehen? Wieviel darf es kosten? Soll es unterkellert sein oder nicht? Wieviel Wohnfläche brauche ich, und wie soll die Raumaufteilung sein? Wie ist das Grundstück bebaubar, welche Ausmaße und Grundrisse sind gewünscht? Soll es als Fertighaus oder in konventioneller Bauweise errichtet werden? Welche Baustoffe bevorzuge ich, und welche Erwartungen gibt es an den Energiestandard und die Gebäudetechnik? Wer sich einen Katalog zu diesen Fragestellungen erarbeitet, kann Werbeangebote gezielter selektieren und in Gesprächen mit Verkäufern gezielt Fragen stellen. 

Achtung: Werbeaussagen haben keine einheitlichen Standards
Die Hausanbieter sind frei in ihrer Entscheidung, in welcher Art sie werben, solange sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten, keinen unlauteren Wettbewerb betreiben, die Preisabgabenverordnung einhalten und Verbraucher nicht falsch informieren oder gar täuschen. Das Spektrum der Werbeprospekte reicht von klassischen Imageprospekten über Präsentationen kompletter Programme mit verschiedenen Haustypen, die Vorstellung ausgewählter Architektenhäuser bis hin zu konkreten Leistungsangeboten. Der Informationsgehalt ist sehr unterschiedlich, und mancher Werbeprospekt liefert mehr Fragen als Antworten. Ein direkter Vergleich verschiedener Angebote ist auf Basis der Werbematerialien daher kaum möglich.

Hinterfragen: Werbeversprechen kritisch betrachten
In vielen Prospekten sind Werbeaussagen zu finden, die besondere Vorteile gegenüber anderen Hausanbietern herausstreichen sollen. Doch nicht selten handelt es sich dabei um Selbstverständlichkeiten, die sowieso jeder Baupartner erfüllen müsste. Dazu gehören zum Beispiel: die Bauzeitgarantie, die Festpreisgarantie, die Zahlung nach Baufortschritt, die Sicherheitsleistung für die Fertigstellung, die Verwendung von Qualitätsbaustoffen, eine qualifizierte Bauleitung, der Einsatz von Fachfirmen oder die Übergabe des Energieausweises.

Können teuer werden: Preisrabatte
Die große Mehrzahl der Hausanbieter weist in ihren Werbeunterlagen keine Preise aus. Doch einige Firmen werben mit Preisrabatten bei Vertragsschluss. Meist handelt es sich dabei nicht um echte Nachlässe, sondern um „Preiskosmetik“ ohne echten geldwerten Vorteil für den Verbraucher. So werden zum Beispiel bewusst bestimmte Leistungen aus dem Preisangebot herausgenommen. Weil sie in der Regel aber für ein funktionsfähiges Haus unbedingt erforderlich sind, werden sie dann oft hinterher als zusätzliche Sonderleistung verkauft. Besondere Vorsicht ist bei zeitlich begrenzten Sonderkonditionen geboten, die beim Kunden Zeitdruck für die Vertragsentscheidung aufbauen sollen. Eine Entscheidung unter Zeitdruck zählt zu den schlimmsten Fehlern, die Bauherren machen können. Besser ist es, sich vor einer Vertragsunterzeichnung bautechnisch und baurechtlich beraten zu lassen.

Vorsicht: Werbeaussagen ersetzen kein Angebot
Werbeprospekte liefern keinen „Bauplan“  für das eigene Haus. Ein Hausprospekt ist letztlich Werbung, er liefert keine umfassenden Informationen für eine fundierte Entscheidung und ist kein Vertragsangebot. Nach einer gründlichen Vorauswahl steht daher jeder Bauherr vor der Frage, wie er gezielt Hausangebote auswählen und vergleichen soll. 

Gibt Sicherheit: Konkrete Angebote von mehreren Unternehmen anfordern
Wie die Beratungspraxis des BSB zeigt, ist es empfehlenswert, konkrete Angebote von mehreren Hausbaufirmen anzufragen. Dabei agieren Bauherren besonders erfolgreich, wenn sie ihren eigenen „Bauplan“ mit den konkreten Vorstellungen zum Haus schriftlich zusammenfassen. Auch eine neutrale Grundrissvariante aus einem Prospekt mit der Kennzeichnung der konkreten Wünsche als Erläuterung hilft, um auf dieser Basis bei mehreren Hausanbietern schriftliche Angebote anzufordern. Etablierte Hausanbieter schätzen Bauherren, die wissen was sie wollen. Denn je konkreter die Vorstellungen vom eigenen Haus sind, umso konkreter und qualifizierter ist in der Regel auch das Angebot des möglichen Baupartners.

Genau hinsehen: Das gehört ins Hausangebot
Zu einem Hausangebot gehören zumindest die Grundrissvorschläge mit Bemaßung und Angaben zur Wohnfläche, die vollständige Bau- und Leistungsbeschreibung, der Bauvertrag mit allen Zusatzvereinbarungen, das Preisangebot einschließlich der Darstellung der Mehrkosten für Sonderwünsche und der Gutschriften für Eigenleistungen – getrennt nach Lohn- und Materialanteil  – mit einer Bindefrist sowie Informationen zum Hausanbieter und zum Serviceangebot. Um das Preis-Leistungsverhältnis realistisch einschätzen zu können, ist besonders wichtig, stets von einer vergleichbaren Preisbasis auszugehen. Deshalb sollte jedes Angebot von der schlüsselfertigen Errichtung des Hauses ausgehen. Falls die Hausbaufirma nicht alle Leistungen anbietet, sollten sie gesondert aufgenommen und beim Gesamtpreis berücksichtigt werden.

Tipp von Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB)
Ein unabhängiger Experte  kann den Bauherren von Anfang an dabei begleiten, seine Wünsche und Vorstellungen klar zu definieren und so gezielter nach dem richtigen Baupartner zu suchen. Über den BSB kann auch eine Wirtschafsauskunft zu den in Frage kommenden Anbietern eingeholt werden. Liegen Angebote vor, kann ein unabhängiger Bauherrenberater und ein Vertrauensanwalt sie auf Vollständigkeit und rechtliche Richtigkeit überprüfen. Mehr Infos sowie die Adressen von Bauherrenberatern und Vertrauensanwälten gibt es unter www.bsb-ev.de.

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Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V.
Einzugsgebiet: Deutschland
Datum: 14.04.2016